Zentrum für Mittelalter- und Renaissancestudien
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Ankündigungstext

Das Schlagwort „Recycling” begegnet in den Debatten unserer heutigen Gesellschaft um Ressourcenknappheit, Vermüllung der Ozeane und Nachhaltigkeit allenthalben. Doch die so modern anmutende dahinterstehende Idee, bereits Gebrauchtes aufzubereiten und wieder­zuverwerten, kann auf eine lange Tradition zurückblicken.

Auch in der Vormoderne lassen sich unzählige Beispiele finden, in denen Materielles (etwa Rohstoffe, Gebrauchsgegenstände oder Kunstwerke), aber auch Immaterielles (etwa Argumentationen, Theorien und Metaphoriken) neu konfiguriert, weiterverwendet und in neue Kontexte überführt wurden. Damit konnte nicht nur einer situativen oder dauerhaften Geld- und Ressourcenknappheit oder vielleicht gar einer Ideenarmut begegnet, sondern beispielsweise auch die Tradition der Ahnen gewahrt sowie Anerkennung für oder Überlegenheit über die Vorbesitzenden demonstriert werden.

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Stadtbild-Kelter (1572) - Umfassungsmauer am großen Tor mit Werksteinen sowie Römischer Statue (Imitat) im Detail (beim Bau Spolien Römischer Baureste verwendet). Abb.: heidICON, Gegenstand / Werk / Objekt #950604, https://heidicon.ub.uni-heidelberg.de/#/detail/f4d49de2-1963-4b47-8fb8-dcb637d04cd9, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Die diesjährige Ringvorlesung des Zentrums für Mittelalter- und Renaissancestudien (ZMR) will dem breit gefächerten Phänomen des Recyclings in Mittelalter und Renaissance nachgehen und bietet Vorträge der am ZMR beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener mediävistischer Disziplinen. Die Beiträge fokussieren etwa die Wiederverwertung von Metallen (Münzen, Schmuck, Waffen, liturgisches Gerät), Beschreibstoffen (Palimpseste, Falzver­stärkung, Bucheinbände etc.) und Alltagsgegenständen; die Einverleibung von Überresten einer vorgängigen (besiegten) Kultur in die eigene (Spolien, Wiederverwendung antiker/heidnischer Bauwerke etc.); aber auch die vielfältigen Formen der Rezeption von Texten, Bildern oder Melodien (Zitate, Kontrafakturen, Wiedererzählen, Kompilationen usw.) sowie auch von juristischen, theologischen oder philosophischen Theorien und Argumentationsmustern.